Wege zum Glück
war letzten Donnerstag bei 3sat Scobels Thema. Interessanterweise steigt der Beitrag mit einem Feature zu Sebastian Deisslers depressiver Erkrankung ins extreme Gegenteil von Glück ein: Burn-Out und Ausstieg aus dem Beruf wurden hier zum Fluchtweg aus einem zwar erfolgreichen aber übermässig fremderzeugten Leistungsdruck. Weitere Glückskiller sind Fremdbestimmtheit, Armut und Einsamkeit.
Nichtsdestotrotz habe ich mir Neues aus der Glücksforschung nicht entgehen lassen und etwas übers lernen gelernt: Lernen kann glücklich machen: einer der vielen kleinen Wege zum Glück kann also darin liegen, Scobel zu gucken.
Die Evolution hat dem Menschen ein Gehirnareal namens Nucleus Accumbens geschenkt, das glücklichmachende – weil Emotionen verstärkende – Neurotransmitter ausschüttet, wenn uns etwas gut gelingt. Es funktioniert allerdings nur dann, wenn es um etwas geht, was neu ist und wir es noch nicht kennen. Weil die Evolution selten etwas produziert, was keine Funktion hat, vermutet der Neuropsychologe Manfred Spitzer, dass das Glückszentrum im eigentlichen Sinne ein Lernzentrum ist: die körpereigenen, chemischen Glücklichmacher belohnen uns, wenn wir sichere Wege verlassen und uns etwas trauen. Wir haben damit praktisch einen eingebauten Lernturbo und einen Gegenspieler zu Angst und Sicherheitsstreben.
Direkt stimulieren kann man den Nucleus Accumbens übrigens auf chemischem Weg durch Drogen. Mit etwas weniger Nebenwirkungen und zudem billiger stimulieren Sie den Accumbens durch Musik hören, Musik machen, durch alleine und mit anderen Tanzen.
Dauerglück ist übrigens nicht möglich, schon 1954 wurde gezeigt, dass Ratten, die gelernt hatten ihren Accumbens – durch ins Hirn gelegte Elektroden – selbst zu stimulieren, ihr Interesse an Essen, Trinken und Sex verloren hatten. Sie starben am immerwährenden Glück. Das erklärt z.B. warum auch reiche Menschen nicht glücklicher sind als Normalverdiener. Ist der Reichtum neu, reicht er für Glücksgefühle, ist er gewöhnlich geworden, bringt er den Nucleus Accumbens nicht mehr in Schwung. Dauerglück geht also nicht, immer wieder glücklich sein (und warum nicht immer öfter) schon. Glück ist Emotion und welche Emotion ist schon dauerhaft ertraglich.
Haben wir mit den höher entwickelten Tieren den Accumbens gemeinsam, so unterscheidet uns die Fahigkeit vergangene Erfahrungen sinnhaft in unserem Erfahrungsschatz zu vernetzen und zukünftiges Glück antizipieren zu können. Wir können also unmittelbaren Lustgewinn zugunsten eines künftigen mehrversprechenden verschieben. Den klassischen psychologischen Versuch dazu, ist der mit den Marshmallows. Ab dem Alter von etwa fünf Jahren sind Kinder in der Lage zwischen zwei Alternativen – 1 Marshmallow sofort oder 2 Marshmallows nach einer halben Stunde Wartezeit – die mit der größeren Belohnung zu wählen.
Vorausgesetzt die Kinder mögen Marshmallows, denn Glück ist natürlich für jeden etwas anderes. Nicht nur die individuelle Glücksdefinition unterscheidet sich, sondern auch das kulturelle Umfeld bedingt den Grad des Glücks des Einzelnen. So beantworten US- Amerikaner die Frage nach ihrem Glücksniveau positiver als etwa die Deutschen, allerdings könnte es einfach sein, dass in Deutschland gesellschaftsfähiger ist, sich zu seinem Unglück zu bekennen.
Was habe ich an Glücksrezepten aus der Sendung mitgenommen? Glück auf Knopfdruck geht nicht wirklich, zu einem großen Teil ist Glück selbstgemacht und es gibt wohl Möglichkeiten, die eigenen Glücksrezeptoren zu sensibilisieren, so dass sie in den entscheidenden Glücksmomenten dann auch auf Glücksempfang stehen:
- Das Gute im Schlechten erkennen
- Vexierbild: Die Dinge unter den Gesichtspunkten “Glas halb leer” und “Glas halb voll” betrachten.
- Jeden Tag bewusst wahrnehmen, was gut gelaufen ist, noch besser in einem Glückstagebuch notieren.
- Liebe, Freundschaft, Wertschätzung, Respekt verschenken
- Geschenkte Liebe Freundschaft, Wertschätzung annehmen
- Sinn suchen und finden
- Erfolge genießen und feiern
- Neues ausprobieren
Es gibt da sicher noch viel mehr und viel profunderes, als das, was mir jetzt so am Sonntagnachmittag einfällt. Würde mich freuen, hier in den Kommentaren das eine oder andere Glücksrezept zu lesen.
Übringes :Auf Xing gibt’s seit letztem Dezember eine Gruppe zum Thema Glückliche Arbeitswelt.

